Katharina Baumann (EDU) positioniert sich auf Rang 2.
- katharina_baumann

- 24. Feb.
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Erstmals wurde die Arbeit der Grossrät*innen während der ganzen letzten Legislatur nach ihrer Wirtschaftsfreundlichkeit ausgewertet.

Die Berner Wirtschaftsverbände blicken mit Sorge auf die Kantonswahlen vom 29. März. Erstmals haben sie die Arbeit der Grossrät*innen während der ganzen letzten Legislatur nach ihrer Wirtschaftsfreundlichkeit ausgewertet. Das aus Sicht der Wirtschaft ernüchternde Fazit, das sie gestern den Medien präsentierten: Obschon es in Regierung und Parlament eine (wenn auch knappe) bürgerliche Mehrheit gibt, sei es «erschreckend, dass sich ein grosser Teil der Grossratsmitglieder gegen die Wirtschaft und damit gegen Arbeitsplätze stellt», sagte Thomas Warring, Präsident der Berner Arbeitgeber. Im Ranking der Wirtschaftsverbände sind Johann Ulrich Grädel, Katharina Baumann (beide EDU) und Madeleine Amstutz (parteilos) am wirtschaftsfreundlichsten positioniert.
Selbstredend bekommen linke und grüne Grossrät*innen sowie die Parlamentarier*innen aus dem Wahlkreis der Stadt Bern von den Wirtschaftsverbänden schlechte Noten. Aber «wir müssen auch bei uns selber genau hinschauen», sagt Henrik Schoop, Direktor des Handels- und Industrievereins (HIV) Kanton Bern. Auch bürgerliche Politiker*innen stimmten nicht immer im Sinne der Wirtschaft. Im politischen Alltag des Grossen Rats sei oft das Verhalten der Grünliberalen entscheidend, ob eine wirtschaftsfreundliche Mehrheit zustande komme. Und die GLP belegt bezüglich Wirtschaftsfreundlichkeit nur einen Mittelfeldplatz.
«Es ist absolut nötig», sagt Schoop, «dass die bürgerlichen Parteien bei diesen Wahlen zulegen, in Parlament und Regierung.» Entsprechend gehören der HIV und der Gewerbeverband Berner KMU mit je 50’000 Franken zu den wichtigsten Spendern für den bürgerlichen Wahlkampf.
Schoop ortet zwei grosse Baustellen: Im Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen belegt Bern nach wie vor einen der hintersten Plätze. Mindestens ebenso viel Kraft wollen die Wirtschaftsverbände ins Thema Raumplanung investieren. «Wir brauchen mehr Boden», fordert Schoop. Die Ansiedlung neuer oder Ausbauten bei bestehenden Unternehmen scheiterten oft daran, dass es an geeigneten Flächen mangle. Bewilligungen verzögerten sich wegen komplizierter Verfahren und behördlicher Paragrafenreiterei.
Zuständig ist das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) in der Direktion von Regierungsrätin Evi Allemann (SP). Amtsdirektor Daniel Wachter geht im August in Pension. Seine Stelle sei von Anfang November bis Mitte Januar ausgeschrieben gewesen. «Das Auswahlverfahren ist weit fortgeschritten und wir sind sehr zuversichtlich, dass die Stelle bald besetzt werden kann», teilt Evi Allemann auf Anfrage mit.
Die Person übernimmt einen exponierten Job. «Die Raumplanung muss in die Wirtschafts- oder Baudirektion», fordert Henrik Schoop. Also weg von der Linken Evi Allemann. Was allerdings nichts daran ändern würde, dass insbesondere bei der Einzonung von unverbautem Land der Widerstand im Einzelfall oft auch von bürgerlicher Seite kommt.
Hauptstadt, 19. Februar 2026




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