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Kolumne Nebelkinder

Nebelkinder sind Nachkommen von Menschen, die traumatische Ereignisse wie Krieg, Flucht oder fürsorgerische Zwangsmaßnahmen erlebt haben. Sie tragen oft unbewusst die psychischen Lasten, Ängste und das "Nichtgesagte" ihrer Vorfahren weiter, was zu eigenen Belastungen führt. Es  sind Kinder, deren Alltag von Unsicherheit, Ängsten oder existenzieller Not geprägt ist.


Vor kurzem durfte ich die Aufführung des gleichnamigen Filmes Nebelkinder samt Podiumsdiskussion besuchen. Die beschriebenen Lebensgeschichten berühren tief – Verding- und Heimschicksale prägen bis heute erschreckend viele Familien unserer Region.


Als Sonderschulpädagogin begegne ich täglich Kindern und Jugendlichen, deren Lebenswege früh von Herausforderungen geprägt wurden. Vieles von dem, was sie erlebt haben, bleibt unsichtbar – und begleitet sie doch ein Leben lang. Kinder und Jugendliche zeigen uns, wie verletzlich eine Gesellschaft wird, wenn sie ihre Schwächsten nicht schützt. Und sie zeigen uns zugleich, wie kraftvolle Veränderung entstehen kann, wenn Wertschätzung, Sicherheit und Liebe gelebt wird.


Zu meinem Bekanntenkreis gehören Personen, deren Verdinggeschichten respektvoll verliefen. Dennoch bin ich mir der grossen Anzahl von Schicksalen bewusst, die alles andere, nämlich unsägliche Not, erlebt haben – geprägt und alleingelassen von einem Sozialsystem, welches seinen Schutzauftrag verfehlte.


Heute empfinde ich tiefe Dankbarkeit, dass ich junge Menschen auf anderem Weg durch schwierige Zeiten begleiten darf. Trotzdem stelle ich Grenzen fest und sehe, wie sehr sich das Gesicht der Not verändert hat. Vielerorts reichen die Mittel kaum mehr aus, um soziale, pädagogische und vor allem psychologische Stabilität aufrechtzuerhalten – insbesondere für Kinder und Jugendliche, welche auf rasche und umfassende Unterstützung angewiesen sind. Die personelle und finanzielle Lücke in sozialen und therapeutischen Bereichen wächst, und sie trifft ausgerechnet jene, die sich am wenigsten wehren können.


In meiner Arbeit an der Sonderschule sehe ich täglich, wie komplex die Realität geworden ist: mehr Kinder mit psychischen Belastungen, mehr Familien, die am Limit sind, mehr Situationen, in denen notwendige Strukturen fehlen, um rechtzeitig helfen zu können. Diese Erfahrungen motivieren mich, mich auch politisch einzusetzen – mit klarem Blick, Fachwissen und viel Herz.



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